Chronik
Kurze Vereinsgeschichte des Bootsclub "Marienbrüke"
e.V. Bremen
1946 -1996


Der Bootsclub "Marienbrücke" e.V.,
Bremen (BM) wurde am 30. Oktober 1946 gegründet. Der Gründungsvorstand
waren Wilhelm Nonn als 1. Vorsitzender, Rudolf Fricke als Kassierer und Ludwig
Fisser als Schriftwart. Auf der Gründungsversammlung gab es bereits einen
Rückblick auf das vergangene Jahr 1946, ein Zeichen dafür, dass
die offizielle Gründung des Vereins auf bereits bestehenden Fundamenten
aufbaute. Auch die Anwesenheit von 30 Bootseignern auf der Gründungsversammlung
zeigt, dass zum Zeitpunkt der offiziellen Gründung bereits ein reges
Vereinsleben vorhanden war. Die Ursprünge des Vereins gehen auf die Zeit
vor dem 2. Weltkrieg zurück, Kristallisationspunkt war das Bootshaus
von Bruno True, der hier am Ahornweg eine Bootslagerung mit angeschlossener
Gastwirtschaft betrieb. Der Name Marienbrücke bezieht sich auf eine kleine
Brücke, die an der Einmündung der Munte über die Kleine Wümme,
etwa in Höhe der heutigen vierspurigen Parkallee/Universitätsallee
stand und somit zum Symbol für den Verein wurde. Der rote Marienkäfer
auf weißem Grund nahm die Bremer Landesfarben rot/weiß auf. Die
offizielle Gründung erfolgte in einer Zeit der Aufbruchsstimmung. Die
Kriegsjahre waren vorbei, es herrschte Mangel an allem trotzdem wollten die
Bootsfahrer an der Kleinen Wümme den Start mit einem neuen Verein wagen.
Am 16. März 1947 fand die zweite ordentliche
Mitgliederversammlung statt. Wilhelm Nonn war erkrankt und wurde durch Rudolf
Fricke vertreten. Der Bootshausanleger sollte in der kommenden Saison 1947
ausgebaut werden, ein Schifferrat wurde gegründet und über die Maskenbälle
vom 15.02. und 22.02.1947 wurde berichtet. Ein weiteres wichtiges Thema dieser
Sitzung waren die Permits, d.h. Erlaubnisse der Besatzungsbehörden und
die damit verbundene Registrierung der Boote. Die Höhe der Gebühren
wurde von vielen Mitgliedern beklagt. Die Klagen sollten an den gerade neugegründeten
Sportverband weitergeleitet werden. Der motorisierte Bootssport war zu diesem
Zeitpunkt noch von Seiten der Besatzungsbehörde verboten, es war nur
Paddelsport möglich. Die Beschaffung von Material für die Reparatur
des Bootshausdaches wurde ebenfalls besprochen. Auch ein Mitteilungsblatt
des Vereins hat es zu diesem Zeitpunkt bereits gegeben.
Die zweite Mitgliederversammlung des Jahres 1947 fand am 10.09.1947 im Bootshaus
statt.
60 Mitglieder waren anwesend, der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt bereits
160 Mitglieder und der Vorstand wurde deshalb erweitert. Als 2. Kassierer
Walter Gross und als 2. Schriftwart Alexander Bechtel. Das Bootshaus wurde
in dieser unruhigen Zeit durch Nachtwachen vor Diebstählen geschützt.
Das Abpaddeln und das damit verbundene Sommerfest wurde am 13.09.1947 im „Tabarin“
veranstaltet. Mitglieder, die unliebsam auffielen, sollten aus dem Verein
ausgeschlossen werden. Das Jahr 1947 wurde durch eine Weihnachtsfeier am 25.12.
abgeschlossen. Auf die neue Dekoration des Clubraumes und Hans Lichtenhelds
Verdienste daran wurde extra ausdrücklich hingewiesen.
Auf der Hauptversammlung am 22. Februar erstattete
Willi Nonn seinen Jahresbericht. Dem Verein gehörten 1948 fast 200 Mitglieder
an, zu diesem Zeitpunkt war der Bootsclub „Marienbrücke der größte
Wassersportverein in Bremen. Am 28. Februar fand im „Tabarin“
ein Maskenball statt, die dort aufspielende Clubkapelle war von allen Mitgliedsbeiträgen
befreit. Das Anpaddeln fand am 24. April, das Sommerfest im Juli bei Schnaars
in Höftdeich statt. Am 14. Juli wurde der Vereinsstander in seiner jetzigen
Form von einer Mitgliederversammlung beschlossen. Auf einer außerordentlichen
Mitgliederversammlung am 24. Oktober legt Wilhelm Nonn aus gesundheitlichen
Gründen den Vereinsvorsitz nieder und übergibt Albert Heinrich die
Vereinsgeschäfte. W. Nonn bleibt als 2. Vorsitzender im Vorstand des
Vereins. Es wurde über die erste Nachkriegsregatta auf der Wümme
berichtet, auf der immerhin 128 Rennkajaks am Start waren. Zu diesem Zeitpunkt
fanden im Verein bereits Auseinadersetzungen über das Vereinsprofil statt.
Sollte er ein reiner Sportverein im Sinne von Leistungssport sein, oder sollte
er sich auch geselligen Dingen widmen? Über den Ankauf eines Helgens
zum Selbstbau von Rennkajaks wird auf der Versammlung heftig gestritten, der
Helgen wird dann beschafft.
Am 13. April findet von 55 anwesenden Mitgliedern
die Jahreshauptversammlung statt. Auch 1949 war der motorisierte Wassersport
noch untersagt. Erst am 21. Dezember dieses Jahres wird er schließlich
wieder zugelassen. Es wird in diesem Jahr im Juli die erste gemeinsame Vereinsfahrt
nach Minden veranstaltet. Auf der Mitgliederversammlung am 24. Oktober in
den Katharienstübchen legt Albert Heinrich den Vereinsvorsitz nieder
und Willi Nonn wird wieder erster Vorsitzender. Es beginnen erste Versuche,
ein eigenes Bootshaus zu bauen. Als Bauplatz wird der Kuhgraben in Höhe
Haus Wieseneck vor der Autobahnbrücke vorgeschlagen, Baracken aus Wehrmachtsbeständen
sollen ein Bootshaus für ca. 60 Boote ermöglichen. Von diesem Plan
wird jedoch wieder Abstand genommen.
Am 18.1. wird auf der Mitgliederversammlung vor 51 Mitgliedern
der Vorstand bestätigt und Georg Glander zum Jugendwart gewählt.
Ein Vereinsmotorboot wird erworben, um Boote ohne Motor schleppen zu können.
14 neue Boote wurden aus der Taufe gehoben, eine vereinseigene Renngemeinschaft
mit 4 Booten gegründet. Auf den Regatten hatte der Verein ansehnliche
sportliche Erfolge. Auf der Kanuregatta wurden drei 1. Preise und zwei 2.
Preise gewonnen, auf der 1. Motorbootregatta immerhin drei 1. Preise. Die
Schleuse Dammsiel (Garbade) wurde wieder eröffnet. Im August findet eine
Lampion-Bootsfahrt unter dem Motto "Wolken, Wind und Wellen" zum
Heisternest statt.
Am 7. Januar 1951 auf der Hauptversammlung wurde
über die Schwierigkeiten des Vereins mit dem Bootshauspächter Bruno
True debattiert. Auf der nun folgenden Neuwahl des Vorstandes wurde Wilhelm
Löder zum l. Vorsitzenden gewählt. Auch der restliche Vorstand wurde
personell umbesetzt. Ein Zweier-Renn-Kajak sollte für den Verein gekauft
werden.
Hans Lichtenheld wird zum Ehrenmitglied ernannt
und Kurt Glasmacher wird 2. Vorsitzender.
Anschaffung eines 10er Kanadiers, Verpflichtung
des Bootshausbesitzers True, allen Nicht-Mitgliedern die Bootslagerung aufzukündigen.
Das Bootshaus wird damit endgültig zum Vereinsheim des Bootsclub Marienbrücke.
Die Auseinandersetzungen mit dem Bootshausbesitzer scheinen damit jedoch nicht
beigelegt zu sein, denn auf einer außerordentlichen Sitzung vom 30.
9. 1953 wird die Frage eines eigenen Bootshauses erneut ausführlich beraten.
Das ehemalige Forsthaus im Bürgerpark war zu diesem Zeitpunkt im Gespräch,
der Vorschlag wurde von der Versammlung damals einstimmig angenommen! Trotzdem
ist es glücklicherweise nie zu diesem eigenen Bootshaus im Bürgerpark
gekommen. Die Munte wurde mittlerweile zugeschüttet und wir hätten
keine Gewässeranbindung mehr gehabt.
Trennung der Rennabteilung vom Bootsclub "Marienbrücke"
als eigenständiger Verein VKB (Verein Bremer Paddelsportler). Diese Trennung
stellt gewissermaßen den Schlusspunkt in der Auseinandersetzung um die
Richtung des Vereines dar. Die dem Leistungssport verbundenen Mitglieder der
Rennabteilung gründen einen eigenen Verein, der Bootsclub Marienbrücke
widmet sich überwiegend dem Breitensport.
Auf der Gleichmäßigkeitsregatta errang
der Verein 2 Preise, auf der Geschwindigkeitsregatta 8 Preise. Die 34. Motor-Kanu-Geschwindigkeitsregatta
und Unterweserkreis-Meisterschaft des LKV fand übrigens noch zu diesem
Zeitpunkt auf der Hamme bei Tietjens-Hütte statt. Dies wäre heute
wohl nicht mehr denkbar.
Ehrung Wilhelm Nonns für seine 20jährige unermüdliche
Tätigkeit für den Bootsclub "Marienbrücke", zugleich
20jähriges Jubiläum. Der Verein hatte zu diesem Zeitpunkt 74 Mitglieder.
Die sportlichen Erfolge sind recht ansehnlich, 6 Preise bei der Gleichmäßigkeitsregatta
und 3 Preise bei der Geschwindigkeitsregatta auf der Lesum.
In diesem Jahr verlor der Sportkamerad Günter "Benny" Schneider
seinen Motor bei der Regatta in der Lesum. Der Motor konnte jedoch zum Glück
von Tauchern wieder geborgen und benutzbar gemacht werden. Georg "Schorse"
Sievers feiert in diesen Jahren seine Triumphe mit dem Rennboot "Alk"
in der 9 PS Klasse. Er wird 1966 zum 2. Vorsitzenden gewählt.
Georg Sievers übernimmt in dieser schweren
Zeit das Amt des l. Vorsitzenden. Nach langen Verhandlungen kann ein Pachtvertrag
für das Gelände am Ahornweg 3 auf dem Platz des alten abgebrannten
Bootshauses geschlossen werden. Auch nach dem Brand lebte die Diskussion über
ein neues Vereinsgelände an der Wümme oder an der Lesum wieder auf.
Auch eine Außenanlage war im Gespräch, wurde dann jedoch nicht
realisiert. Die folgenden drei Jahre sind dem unermüdlichen Aufbau eines
neuen Bootshauses in überwiegender Eigenarbeit der Mitglieder gewidmet.
In vielen freiwilligen Arbeitsdiensten wurde ein Fundament gegossen und ein
neues, großzügiges, helles und modernes Bootshaus mit angegliedertem
Aufenthaltsraum und Toiletten entsteht.
Die Feiern zum 40-jährigen Jubiläum bleiben
allen Anwesenden in guter Erinnerung. Es gab Musik und Tanz bis in den frühen
Morgen, danach dann für alle Unentwegten ein Frühschoppen am späten
Morgen.
Jens Glasmacher wird zum in der Nachfolge seines
Vaters zum l. Vorsitzenden gewählt und übt dieses Amt für 5
Jahre bis 1995 aus. Die Schließung der Kuhsielschleuse und die harten
und zähen Verhandlungen am Runden Tisch um die Wiedereröffnung der
Schleuse prägen die Amtszeit des Vorsitzenden.
Harald Buch wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. Im Herbst Kontakte zum neugegründeten Verein "Tauchsportler Manatee" e.V. Beginn der Kooperation mit den Tauchern, Vereinsbeitritt von Tauchern in den Bootsclub "Marienbrücke".
Am 7. Juni 1967 trifft den Bootsclub "Marienbrücke"
der schwerste Schlag seiner Vereinsgeschichte. Das gesamte Bootshaus mit allen
70 Booten im Bootsschuppen brennt ab. Brandursache war vermutlich ein Kabelbrand
in der elektrischen Anlage. 2 Boote, die im Hafen lagen und einige Aussenlieger
sind damit die einzigen verbliebenen Bootseigner. Der Schaden des Brandes
beläuft sich auf schätzungsweise 200.000 DM. Die meisten Bootseigner
sind nicht versichert und erhalten keine Entschädigung. Der Verein steht
vor dem Nichts.
Feiern zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins. Diese Feier wurde mit einer kleinen Festschrift gekrönt, die den Aufstieg, jähen Fall und erneuten Aufbau aus den verbrannten Resten dokumentiert.
Kurt Glasmacher wird zum l. Vorsitzenden gewählt
und führt die Geschicke des Vereins umsichtig, gewissenhaft und in seiner
unnachahmlich ruhigen und freundlichen Art für die folgenden 16 Jahre
bis 1989. Er erwirbt sich große Verdienste um den Verein und wird deshalb
1990 zum Ehrenmitglied ernannt.
Neubau der Steganlage am Bootsclub "Marienbrücke"
in Eigenarbeit durch die
Mitglieder und mit öffentlicher finanzieller Förderung.
Die Verhandlungen führen zu einem für
unseren Verein glücklichen Abschluss,
die Schleuse Kuhsiel wird repariert und voraussichtlich 1996 wieder eröffnet.
Ohne die Schleuse wäre die Lebensfähigkeit unseres Vereins auf lange
Sicht sehr
ungünstig gewesen. Bereits die Jahre der Sperrung haben zu einer erheblichen
Abwanderung von Vereinsmitgliedern an die Lesum und Weser und auch zu
Vereinsaustritten geführt.
Feiern zum 50-jährigen Vereinsjubiläum.
Der Verein hat 75 Mitglieder. Als "Jubiläumsgeschenk" erhalten
wir voraussichtlich (hoffentlich) endlich die Wiedereröffnung der Schleuse
Kuhsiel.